Lebensziele: 8 Fallen, an denen wir scheitern – obwohl wir scheinbar alles richtig machen

Wir sind durchoptimiert wie keine Generation vor uns. Trotzdem haben wir oft das Gefühl, unsere Ziele im Leben nicht zu erreichen.

Vision Boards. Jahresziele und -reflexion. Dankbarkeitstagebuch. Fitness-, Schlaf- und Zyklus-Apps. Habit-Change. Home-Gym-Fitness-Videos. Wir reflektieren, setzen, tracken und verfolgen Lebensziele als wäre der Teufel hinter uns her. Und doch ist das Resultat oft eher enttäuschend:

Erschöpfung statt persönlicher Balance. Netflix und Pizza statt Power Walking und Rohkost mit Humus. Pokerface statt ehrlichem Feedback. Karrierejob statt Weltverbesserung.

Was ist da los? Warum scheitern wir so oft daran, Ziele im Leben zu erreichen? Und was können wir tun, um das zu ändern?

Ziele im Leben – Zwei Theorien. Keine hilft. 

Spitzt mal ein bisschen die Ohren, wenn Menschen über ihre Pläne und Versuche berichten. Ihr werdet merken: Die meisten Menschen hängen zwei diametral entgegengesetzten Theorien an.

  1. 1
    Drill-Instructor-Theorie: Wir strengen uns einfach nicht genügend an! Zielerreichung braucht Disziplin, Fokus, Härte und Konsequenz.
  2. 2
    Oooohhhm-Theorie: Mach Dich mal locker. Sei achtsam. Genieße das hier und jetzt. Lass Dich inspirieren. Und mach Dir keinen Druck. 

Meine These: Beide Theorien sind zu simpel – und helfen deshalb nicht weiter, Ziele im Leben zu erreichen.

Die Wahrheit ist ein wenig komplexer:

Wir sind weder einfach zu faul oder dumm, um Ziele zu erreichen. Noch machen wir uns einfach nur “zu viel Druck”. Sondern: Wir stellen uns permanent Fallen, weil wir zerrissen sind zwischen diesen beiden Extremen. Und uns gleichzeitig zu sehr anstrengen – aber nicht wirklich Verantwortung übernehmen. 

Anders ausgedrückt: Die meisten Tipps, Ratschläge und Forschungsergebnisse zu Motivation, Selbstmanagement und Zielerreichung sind nicht falsch. Aber sie haben Risiken und Nebenwirkungen. Und werden meist ohne Beipackzettel ausgehändigt. (Und ja, auch ich bekenne mich schuldig im Sinne der Anklage. Mach ich auch oft genug.)

In diesem Artikel zeige ich die 8 häufigsten Selbst-Sabotage-Fallen. In die wir tappen, wenn wir versuchen, alles richtig zu machen. Und Vorschläge, wie wir sie umschiffen können.

Los geht’s.

1. Die Ergebnis-Falle

Es regnet. Draußen pfeift kalter Wind. Mein Sofa entwickelt die Verführungskraft einer Sirene. Mein Ziel, Ende des Jahres unter 90 Kilo zu wiegen, liegt verstaubt unter einem großen Haufen Netflix, Käse, Nüssen und meinem Smartphone….

Du weißt, diese Geschichte geht nicht gut aus.

Aber habe ich nicht alles richtig gemacht? Ein SMART-Ziel formuliert. Spezifisch, messbar, ausführbar, relevant und temporär definiert. Und eins, das mir wirklich wichtig ist! Eigentlich vorbildlich. Warum klappt es nicht?

Ich bin in die Ergebnis-Falle getappt:

Mein Lebensziel beschreibt einen Zustand am Ende des Prozesses. Aber es beschäftigt sich nicht mit der meiner eigenen Veränderung, meinem Lernprozess auf dem Weg zu diesem Zustand.

Ergebnisziele geben Fokus, Orientierung und Motivation, solange uns die Schritte auf dem Weg leicht fallen. Und solange wir daran glauben, das Ziel erreichen zu können. Aber: Sobald Hindernisse auftauchen. Sobald die Gefahr des Scheiterns im Raum steht. Sobald kurzfristig lohnenswerter erscheinende Alternativen locken. Also genau zu dem Zeitpunkt, wo wir das Ziel wirklich bräuchten, um uns zu motivieren. Genau dann verlieren Ergebnisziele ihre Kraft.

Die bekannte Psychologin Carol Dweck nennen das “Fixed Mindset”: Eine Haltung, die vor allem auf Ergebnis-Zustände fokussiert. Und darauf, wie wir sind, welche Labels wir uns geben.

Wie geht es anders?

Wir ergänzen unsere Ergebnisziele um Prozessziele. Und zwar nicht einfach nur Meilensteine, sondern Prozessziele, die unseren Lern- und Entwicklungsprozess beschreiben. Und nicht als automatisierten Fertigungsprozess. Also eher “Ich teste täglich eine neue Methode, mich zur Bewegung zu motivieren” als “täglich 10.000 Schritte”. So haben wir auch dann das Gefühl, auf dem Weg zum Ziel zu sein, wenn etwas schief geht. Und das nennt sich dann “Growth Mindset” – und ist empirisch belegbar gut für Lern-, Veränderungs- und Entwicklungsprozesse (Madame Moneypenny hat das dazugehörige Buch “Mindset” schön auf deutsch zusammengefasst).

Ok, jetzt haben wir ein attraktives Ergebnisziel plus mehrere Prozessziele, die unseren Lernprozess reflektieren. Alles gut? Leider nein…

2. Die Sonnenschein-Falle

Wann warst Du das letzte Mal so richtig erfüllt von der Idee, Dein Leben verändern zu können? Hast einen inspirierenden TED-Talk gesehen? Dich freudig durch motivierende Insta-Bilder geklickt? Dich mit der besten Freundin in wilde Träumereien geredet? Dich im Gefühl gebadet, alle Ziele erreichen zu können? 

Damit hast Du Deinen Lebenszielen leider einen Bärendienst erwiesen. Zumindest, wenn Du es bei der positiven Inspiration belassen hast.

Lebensziele werden oft im Sonnenscheinmodus gesetzt. Wir sind froh und dankbar über positive Stimmung. Wir haben das Gefühl alles schaffen zu können. Wir fühlen uns verbunden mit der Gemeinschaft der anderen Menschen, die gerade auf einem ähnlichen Weg sind. Und auch das ist auch gut so! Visionsarbeit, Inspiration, Community und positive Energie helfen, dem eigenen Trott zu entfliehen. Und Freude daran zu entwickeln, sich ein herausforderndes Ziel zu setzen.

Aber.

In diesem Modus unterschätzen wir systematisch die Herausforderungen und Probleme auf dem Weg. Deshalb bereiten wir uns mental nicht darauf vor. Und schlittern ungebremst in die Frustration, wenn Dinge eben nicht so einfach sind wie vorher gedacht. Wenn druckvolle Tagesarbeit ansteht statt transformationalen Führungsgesprächen. Oder ein schmerzendes Knie den Jogging-Plänen einen Strich durch die Rechnung macht.

Am Besten funktioniert eine Kombination aus beidem: Wir kümmern uns um eine positive, lebhaft ausgemalte und emotionale Vision des Zustandes, den wir erreichen wollen. Ben Hunt-Davis nennt diese Art von Zielen im Leben “Crazy Goals”.

Und.

Wenn wir diesen haben denken wir in die andere Richtung. Wir begeben uns in die Niederungen des realen Lebens. Welche Hürden, Hindernisse und Negativtrigger könnten uns auf dem Weg begegnen?

Wir fragen uns, was wir tun könnten, wenn diese negativen Ereignisse eintreten sollten. Und formulieren dann “Wenn-Dann-Ziele”. Also Ziele, die relativ zum aktuellen Zustand formuliert sind. So erscheinen sie erreichbar – auch wenn es regnet und stürmt.

Jetzt aber. Wir haben unsere Prozess-Ziele wetterfest gemacht. Jetzt kann doch nix mehr schief gehen, oder? Jetzt haben wir doch alles unter Kontrolle…

3. Die Kontroll-Falle

Life is a bitch.

Wir wissen alle, dass Kontrolle eine Illusion ist. Spätestens seit dem Corona-Lockdown.

Die harte Wahrheit ist doch: Dinge passieren. Und wenn sie uns in die Quere kommen fühlt sich das frustrierend und entmutigend an. Und es werden Dinge passieren. Nicht alle können wir vorhersagen.

Leider gibt’s für die Kontroll-Falle keine ganz einfache Lösung. Denn rein logisch befinden wir uns in einem paradoxen Zirkel: Wir versuchen die Zukunft zu kontrollieren. Wissen aber, dass das gar nicht geht. Systemabsturz vorprogrammiert.

Was hilft?

Am wirksamsten finde ich persönlich folgende Übung:

Ich sortiere, welche Faktoren des Prozesses ich beeinflussen kann – und welche nicht. Und versuche, den ersten Teil aktiv zu verändern – und den zweiten Teil zu akzeptieren. Schon beim Setzen von Zielen im Leben ist es hilfreich, so eine konkrete Liste zu machen. Und dann unser “Crazy Goal” und unser “Concrete Goal” zu übersetzen in das, was Ben Hunt-Davis “Controllable Goals” nennt. Also eigene Aktivitäten statt positive Reaktionen des Gegenüber. Die eigene Geisteshaltung statt das Wetter.

Noch wichtiger aber ist diese Übung, wenn Unvorhergesehenes passiert. Nicht umsonst ist im Corona-Lockdown dieses Bild hier viral gegangen:

Diese “Listenübung” in der Schublade ist eine gute Versicherung gegen Unvorhergesehenes.

Sie macht das Leben nicht programmierbar. Aber sie ist ein guter Trick, um sich wieder in ein Gefühl von Kontrolle über das eigene Leben zu bringen.

Kommen wir zu einem anderen Thema. Einem, das wir scheinbar kontrollieren können: Belohnungen.

4. Die Belohnungs-Falle

Die Belohnung ist Standard in allen Selbstoptimierungs-Ratgebern. Und eigentlich ist der Gedanke ja auch einleuchtend: Am Ende eines anstrengenden Weges winkt ein attraktiver Endorphin-Kick.

Aber.

  • Erstens ist dieser Endorphin-Kick zeitlich viel zu weit weg. Die menschliche Fähigkeit, kurzfristig Belohnungen aufzuschieben um langfristig etwas zu erreichen ist deutlich geringer ausgeprägt, als wir uns wünschen. Der berühmte “Marshmallow-Test” weiß ein Lied davon zu singen. Und das gilt leider nicht nur für Klassiker wie Abnehmen oder Unternehmensgründung - sondern für alle Ziele im Leben, die kontinuierliches Dranbleiben erfordern.
  • Zweitens beeinflusst Belohnung die extrinsische Motivation, nicht die intrinsische. Wenn ich mein Ziel im tiefsten Herzen gar nicht erreichen will, dann aktiviert eine Belohnung bestenfalls einen kleinen Abklatsch meiner möglichen Kräfte.
  • Drittens neigen Belohnungen dazu, sich zu verselbständigen und unflexibel zu machen. Selbst wenn man zu den Menschen gehört, die positiv auf Belohnungen regieren, optimiert man danach unbewusst genau auf die Belohnung. Und wird so betriebsblind für Umwege, Seiten-Aspekte und nötige Anpassungen.

Wie setzt man Belohnungen auf persönlicher Ebene richtig ein?

Kurz gesagt: Lieber kurz- statt langfristig. Lieber intrinsisch statt extrinsisch. Und lieber relativ statt absolut.

Am einfachsten geht das meiner Erfahrung nach mit Bildern im Kopf. Klingt “fluffy”? Funktioniert aber.

Beispiel von mir selbst: Ein wichtiges Ziel in meinem Leben war, endlich nicht mehr dick zu sein. 2016 habe ich das, nach Jahren vergeblicher Versuche, geschafft und 35 Kilo abgenommen – von Adipositas Typ II auf fast Normalgewicht.

Dabei hat mir sehr geholfen, die langfristige Vision – fit und sexy bis ins hohe Alter – in ein momentanes Körpergefühl zu übersetzen. Wann immer ich Schritte gegangen bin – und anfangs waren das wenige – habe ich mir vorgestellt, schon jetzt fit, sexy und aktiv zu sein. Dieser Endorphin-Kick war schnell und einfach verfügbar. Er war unabhängig davon, ob ich einen guten oder einen schlechten Tag hatte. Und er war unglaublich viel motivierender als das Versprechen, nach geglückter Abnahme neue Kleidung zu kaufen.

Inzwischen ist mir dieses Gefühl so in Fleisch und Blut übergegangen, dass ich es noch nicht mal aktiv herbeiholen muss. Ich fühle mich gut – sobald ich beginne, mehr als 10 Schritte am Stück zu gehen.

Du merkst schon, wir kommen immer weiter weg von Worten und Zahlen – und immer näher zu Bildern, Körperhaltungen und Emotionen. Und das hat seinen Grund:

5. Die Formfehler-Falle

Es geht um die Art und Weise, wie wir Ziele formulieren und festhalten. Diese hat enorme Auswirkungen auf die motivatorische Kraft, die Ziele entwickeln. Nicht umsonst verwenden wir in meinem Coaching-Programm “Found” einen ganzen Sprint dafür, Ziele des Coachees so zu formulieren, dass sie “passen”. Und das ist häufig ein erstaunlich langwieriger Prozess.

Aber was heißt das – “passen”?

Natürlich gibt es eine Reihe von Tipps, Vorschlägen und Regeln, wie Ziele formuliert sein sollten. Die berühmte SMART-Regel. Das Anmahnen von Konkretheit, Attraktivität, Messbarkeit.

Im Alltag erlebe ich es eher so, dass “passend” etwas höchst individuelles ist. Manche meiner Klient*innen wollen und brauchen Excel-Sheets mit Zahlen und Ziel-Tracking. Anderen helfen sloganartige Jahreszielformulierungen, verbunden mit einem bunten Bild. Bei mir selbst merke ich, dass innere Bilder und die dazugehörige Körperhaltung und ein Song viel besser wirken als alles, was ich schriftlich niederlegen könnte. Ergänzt um ein paar kleine Routinen wirken sie Wunder.

Das heißt – passend heißt einfach passend für Dich!

Deshalb ist es eine gute Idee zu experimentieren. Wir probieren einfach verschiedene Möglichkeiten der Zielformulierung aus – und testen, wie sehr sie uns im Alltag dazu bringen, wirklich etwas anderes zu machen. Wir beschränken uns dabei nicht auf Worte und Zahlen, sondern testen auch Bilder, Musik, Gegenstände, Gespräche, … Nur so finden wir heraus, welche Art der Zielformulierung bei uns selbst “einrastet”, uns unterbewusst motiviert, uns im Alltag präsent bleibt – und uns auch dann voran bringt, wenn es uns nicht so gut geht oder wir abgelenkt sind.

6. Die Verzettelungs-Falle

Karriere. Fitness. Familie. Hausbau. Innere Ruhe. Leseliste. Mirical Morning. Musikinstrument lernen. Freunde sehen. Führung lernen… Selbstoptimierung ist das Motto unserer Zeit.

Der moderne Mensch ist so beschäftigt mit dem Setzen von Zielen. Da kann man schon schnell mal den Überblick verlieren. Wenn dann zu den Lebenszielen noch Ziel von Außen dazu kommen – sei es von oben, Partner*in oder Fitnesstrainer*in, ist oft alles zu spät. Unser Geist weiß einfach nicht mehr, was eigentlich gerade wichtig ist. Und unsere Stimmung hängt im Keller, denn irgendeines dieser Ziele hat man bestimmt gerissen. Die Saboteure machen Party.

Aber wie soll man sich beschränken, ohne dabei ebenso wichtige Dinge aufzugeben?

  • Erstens: Eins nach dem Andern. Definiere einen konkreten Zeitraum, zum Beispiel ein Quartal oder ein Jahr, in dem Du Dich auf wenige Ziele konzentrierst (eine gute Zahl sind drei, aber weniger geht auch. Mehr eher nicht).
  • Zweitens: Vertraue auf den “Hebel”-Effekt. Du wirst merken, dass Du im Windschatten dieser wenigen, mit vollem Elan und Kraft verfolgten Wow-Ziele viele andere Dinge besser schaffst und quasi “nebenbei” erledigen kannst. Die Motivation aus der Bewältigung wirklich wichtiger Dinge trägt weit über den engen Kreis des aktiv verfolgten Ziels hinaus.
  • Drittens: Mach mal Pause. Niemand zwingt Dich, zu jeder Zeit und in jedem Moment Ziele zu verfolgen. Gepflegter Müßiggang und eine kuschelige Phase der Selbstfürsorge inklusive fröhlichem Rumlungern tun jedem Menschen mal gut. Und können sich durchaus als genau die Phase entpuppen, in der einem klar wird, was man wirklich erreichen möchte. Oder eben auch nicht.

Ich höre schon, wie mein innerer Saboteur sagt: “Aber Du kannst doch nicht einfach rumgammeln? Willst Du Deine Karriere ruinieren? Du musst doch die Welt retten! Du musst Dein Potenzial nutzen! Die Welt braucht Dich!”

Wir alle haben solche Saboteurstimmen. Innere Kritiker, innere Relativierer – oder auch Impulsgeber, die uns wegtreiben von dem, was eigentlich gerade noch wichtig war. Und um die geht es in der nächsten Falle:

7. Die Selbstabwertungs-Falle

Wenn ich meine Klient*innen im Check-In einer Coachingsitzung frage, was in den vergangenen Wochen (noch) nicht geklappt hat, fällt eine Formulierung sehr oft: “Ich war (noch) nicht konsequent genug.”

Hier spricht eine mächtige innere Stimme, die uns weismachen will, dass wir “nicht gut genug” sind, um die vorgenommenen Ziele zu erreichen. Oder dass wir keine guten Menschen wären, wenn wir uns nicht hohe Ziele setzen im Leben.

Und diese Stimme ist gefährlich: Sie erodiert Motivation und Freude und behindert aktiv den Prozess, selbstbewusster und aktiver zu werden. Wir würden gerne an die beste Version von uns selbst glauben. Und aktiv Verantwortung dafür übernehmen, sie zur Realität zu machen. Aber wir werden behindert von der kleinen, hartnäckigen Stimme von der Seitenlinie, die im Kern sagt: “Du bist nicht gut genug”.

Schauen wir uns an, was andere schlaue Menschen zu diesem Thema zu sagen haben: 

Wie können wir, diese Selbstabwertungsfalle umgehen? Und zwar ohne uns die Welt schön zu reden?

Hier ein Beispiel:

Ein Klient von mir will seine Führungskarriere voranbringen. Er hält sich aber für einen schlechten Netzwerker. Er hat sich vorgenommen, regelmäßig in Kontakt mit Menschen in seiner Branche zu sein. Will sichtbarer sein und sich positionieren. Er formulierte diesen Gedanken ursprünglich so: “Ich muss drei Mal die Woche aktiv auf jemanden zugehen und ein Mittagessen oder ein Telefonat vereinbaren”.

Das Ziel war also formuliert als eine Überwindung eines vermeintlichen Defizits. Das Problem dabei: Wann immer er es nicht schaffte, seine drei Kontakte pro Woche zu machen, sprang sofort der Saboteur an. Das Nicht-Erreichen des Ziels wurde zum scheinbaren Beweis dafür, dass er eben doch nicht gut genug ist für das, was er sich vorgenommen hatte. Die Folge: Nächste Woche hatte er noch weniger Lust, seine Kontakte anzugehen. Und tat es dementsprechend auch nicht.

Ganz anders sah die Sache aus, als er begann, das Ziel aus der Perspektive seiner Leidenschaften und seiner Lebensaufgabe zu betrachten. Damit hatte er nicht mehr das Gefühl, sich andienen zu müssen mit einer Tätigkeit, von der er glaubte, sie sei eine Schwäche von ihm (“netzwerken”). Sondern er hatte eher das Gefühl, für die anderen mit seinen Fähigkeiten und Stärken einen wertvollen Beitrag zu leisten.

Seine Leidenschaft ist es, Klarheit und Transparenz zu schaffen in scheinbar unübersichtlichen Faktenlagen. Er ist ein schlauer Strukturierer und Analytiker, der es liebt, mit Zahlen Analysen und Aufbereitungen Unsicherheit zu reduzieren und die Energie auf konstruktive Arbeit zu lenken.

Aus dieser Perspektive formulierte er sein Ziel neu: “Ich suche täglich nach Situationen, die mehr Klarheit und Transparenz gut brauchen könnten – und biete meine Hilfe an”. Über diese Schiene konnte er ganz nebenbei neue Kontakte machen. Und siehe da – die Kontaktanzahl stieg und er wurde häufiger als Experte hinzugezogen.

Der Trick ist also, sich nicht zu fragen, wie man sein größtes Defizit überwinden kann. Sondern sich zu fragen, was man für andere aus Leidenschaft und Stärke heraus tun möchte – und zu beginnen, diese Motivation zu nutzen, um auf Umwegen das eigentliche Ziel zu erreichen.

Kommen wir zur letzten Falle. Die Mutter aller Fallen bei der Erreichung wichtiger Ziele im Leben:

8. Die Bürokratie-Falle

Jedes System von Zielen, Maßnahmen und Fortschrittsprüfung hat die Tendenz, sich zu verselbständigen.

Es ist ein bisschen wie das Verhältnis von ambitionierter Politik zu lähmender Umsetzungsbürokratie: Was als große, inspirierende Kampagne startet, endet spätestens in den Umsetzungsbestimmungen im anstrengenden, nervigen Klein-Klein der täglichen Regeln, Überprüfungsmechanismen und Überkorrektheiten.

So ähnlich läuft es, wenn wir uns Lebensziele setzen. Wir haben eine inspirierende Idee, malen uns diese plastisch aus. Und dann fragen wir uns: Was kann ich tun, um diese Idee umzusetzen? Wir suchen uns Rat und Hilfe bei Frameworks, Büchern und Anleitungen – und übersetzen die Idee in ein System aus Aufgaben, Zahlen, Regeln, Tabellen, Kontroll- und Belohnungsmechanismen.

Damit setzen wir uns selbst unter Druck.

Andererseits geht es ja aber auch nicht ohne System. Greifbare und attraktive Zielformulierungen, Fokus auf wesentliche und relevante Herausforderungen, Abgleich von Plan und Wirklichkeit… all das ist nicht per se falsch, sondern sogar hilfreich und notwendig.

Aber.

Es wird falsch, wenn Du es nicht zu Deinem System machst.

Der beste Experte, die beste Expertin für Dein Motivationssystem bist: Du selbst.

Deshalb – nimm die Anregungen, die Anleitungen und die Ratschläge als das, was sie sind: Informationen und Möglichkeiten.

Aber dann folge dem Slogan einer bekannten Fast-Food-Kette: Make it yours.

Du weißt, dass Du vor allem Motivation durch andere Menschen brauchst? Dann lass das Excel-Tracking und telefoniere lieber regelmäßig mit einem Freund oder einer Kollegin über Deine Entwicklung. Du magst den Druck und Schmerz enger Trainingspläne? Dann hol Dir die “Instructor-Drill-App”, auch wenn Du noch so oft liest, dass extrinsische Motivation nicht funktioniert.

Damit ein System zur Zielerreichung funktioniert braucht es nur ganz wenige Elemente zwingend:

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    Eine konkrete Vorstellung dessen, wo Du hin willst
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    Eine Vorstellung davon, welche Herausforderungen Du auf dem Weg dahin meistern wirst
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    Eine Übersetzung dieser Herausforderungen in konkrete Handlungen und Gewohnheiten
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    Einen Feedback-Loop, um aus Erfahrungen zu lernen.

Wie Du diese Elemente ausgestaltest – das ist allein Deine Sache.

Sei dabei neugierig auf das, was funktioniert. Für Dich. Und gnädig mit Dir, wenn Du noch nicht den Weg gefunden hast, der Dich weiterbringt.

Lebensziele verfolgen ohne Selbstsabotage

Gucken wir uns das Ganze nochmal im Überblick an. Ziele im Leben lassen sich besser erreichen, wenn wir…

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    Uns nicht nur Ergebnis-, sondern auch Prozessziele setzen
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    Nicht bei der positiven Vision aufhören, sondern sie ergänze um Wenn-Dann-Ziele für Regentage 
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    Uns auf den Teil fokussieren, den wir kontrollieren können
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    Uns mit kleinen, intrinsischen und flexiblen Endorphinstößen belohnen, noch während wir auf dem Weg sind
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    Ziele in eine Form bringen, die zu uns passt   
  6. 6
    Uns auf wenige, wirklich wichtige Ziele beschränken - und uns Zeiten ganz ohne Ziele gönnen
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    Ziele nicht als “ich muss” formulieren, sondern aus der Perspektive dessen, was wir gerne machen und gut können 
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    Den Mut haben, es einfach so zu machen, dass es “für uns passt” - und Ratschläge und Frameworks nur als Information verwenden, aber nicht als Gesetz.

Infografik: Ziele erreichen

Ziele im Leben erreichen - Infografik mit 8 Fallen

Und wie immer gilt:

Lebe mutig, gestalte wirksam – und hab Spaß dabei.

Dein

Florian

P.S.: Wenn es bei Dir so weit sein sollte, dass eine größere Phase der Transformation ansteht, dann meld Dich gerne für ein kostenloses Strategie-Telefonat. Ich helfe gerne beim Sortieren der Ziele und Herausforderungen für die nächsten Monate.

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Autor

Florian ist Blogger, Coach und Entwicklungspartner für Persönlichkeit & Leadership bei Weltgestalter Coaching. Sein "Found Blog" bietet Tipps und Hintergründe für Unternehmer*innen, Führungskräfte und alle auf dem Weg dahin. Es geht um wirksam gestalten, erfüllt arbeiten - und zufrieden leben.

  • Wow, großartige Denkanstöße. Gut beobachtet (habe mich bei fast jeder Falle ertappt gefühlt) und gleichzeitig hilfreiche, motivierende, aber nicht unter Druck setzende Tipps und klasse Weiterverweisungen. Sehr wertvoll. Vielen Dank!

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